Brigo
Brigo

Anholt

Nach 64 Schleusen und ungezählten Brückenpassagen, oft nur für Brigo geöffnet, hat uns das Meer wieder. In den göteborger Schären erholen wir uns vom Kanalstress. Schon bei der Ausfahrt aus dem Göta Älv begrüßt uns der erste Seehund.

 

Dann: endlich wieder richtiges Seesegeln! Mit flottem Wind gehen wir die gut 55 Meilen-Strecke nach Anholt an.

Mit dem Sonnenuntergang machen wir im kleinen anholter Hafen fest.

Das Südseeparadies der Ostseesegler ist ein Naturidyll. 160 ständige Einwohner leben auf 22qkm. Der Westteil ist grün, hügelig und bewaldet. Der viel größere Ostteil ist Heide- und Dünenlandschaft ohne Bebauung. Die Insel ist rundherum von feinsandigen Stränden gesäumt. Wenige Ferienhäuser verstecken sich im Gebüsch , der kleine Ort verströmt dänische Gelassenheit. Hier gehen die Uhren definitiv langsamer. Einzig in den 2 Hauptsaisonmonaten tobt hier das Leben. Etwa 60.000 Besucher kommen zu Recht jedes Jahr hier her. Gerade hörten wir von einem Schweden, im Sommer haben sich etwa 400 Boote im Hafenbecken gedrängelt, da war kein Wasser mehr zu sehen.

Nun liegt Frieden über der Insel, 10 Boote von Unentwegten zieren den Hafen, abgesehen von den Booten der einheimischen Fischer.

 

Kopenhagen

 

Die Einfahrt nach Kopenhagen auf dem Wasserweg ist beeindruckend: Busboote, Kanalboote a la Amsterdam, Segler, sogar Stehpaddler, da ist was los! Wir passieren das Hafengebiet, Marinegelände, die alte Festungsinsel, die winzige Meerjungfrau. Man erkennt sie eher an der Menschenansammlung und den Sightseeing-Bussen. Weiter an der hochmodernen, neuen Oper, dem noch neueren schicken Schauspielhaus. Dann links abbiegen. Ist es auch der richtige Weg zum Christianshavn? Ein Kanal, eher eine Gracht, zwischen Meerfamilienhäusern, rechts und links alles voller Segler. Auch Touries-Kanalboote wollen hier durch. Da gibt´s wenig Ausweichmöglichkeit. Mit freundlicher Hilfe legen wir in einer passenden Box an. Hier fühlen wir uns wie in Abrahams Schoss, mit Blick auf die wunderschöne Erlöserkirche mit ihrer zur Spitze aufsteigenden, aussenliegenden Wendeltreppe sowie die umliegenden Häuser. Der Hop-on-hop-off-Bus präsentiert und erklärt uns alle Sehenswürdigkeiten, dazu gibt´s noch WIFI an Bord. Perfekt. Nach desem ersten Überblick erkunden wir alles Weitere eingehend zu Fuß. Die ganze Stadt wirkt überhaupt nicht hektisch, liegt es an den unzähligen Radfahrern, dem übersichtlichen Autoverkehr? Reichlich Bistros und Cafes laden zum Ausruhen ein. Fröhliches, umsichtiges Personal verwöhnt uns, das Wetter gibt ein Übriges. Fast alle Gebäude befinden sich in einem gepflegten Zustand. Beeindruckend die Kombination von moderner Architektur mit Althergebrachtem, dazu eine gewisse Gemütlichkeit. Die Dänen machen auf uns einen sportlichen Eindruck, man sieht sie segeln, rudern, joggen, nicht zuletzt Fahrrad fahren. Sie leben bewusst, wirken gelassen und sehr zufrieden, sie scheinen ihre Traditionen zu lieben, einschließlich ihrer sehr volksnahen Königsfamilie. Diese lebt in Schloss 

Amalienborg mitten in der Stadt, öffentlicher Autoverkehr über den Schlossplatz ist erlaubt. Keine Zäune, keine Absperrungen vor den 4 identischen, bescheidenen Palästen. Nur einige bemützten Wachsoldaten. 

Wieder mal ein freudiges Treffen mit Claus und begeisterter Erlebnisaustausch.

Wann und wo treffen wir uns wieder?

 

Zielgerade und unerwartetes, vorläufiges Ende

 

Wir verlassen Kopenhagen bei diesigem Wetter. Trotz der geringen Tidenunterschiede bilden sich im Sund unbequeme Wirbel, Kreuzseen und Gegenströmungen. Der Wind ist mau. Da ist nix mit Durchrauschen bis Mön. Der Diesel arbeitet vor sich hin, bis er plötzlich und unerwartet den Dienst quittiert. Klarer Fall: Die Dieselfilter sind verstopft. Flugs gewechselt, bald darauf wieder: Motor aus. Da muss irgendwo ein Luftleck sein. Nur wo? Wir beschließen, auf halber Strecke vor Rödvig in einer schönen weiten Badebucht zu ankern. Leider finden wir keinen Ankerhalt. Das wiederholte Auf und Ab der Ankerkette wird unserer Ankerwinsch zu viel. Die Hochlastsicherung schaltet ab. Im letzten Tageslicht machen wir notgedrungen im Hafen von Rödvig fest. Auch nicht schlecht.

Die Fahrt nach Mön anderntags ist fast mystisch. Komplett windstill. Dunst über dem Wasser, aus dem die berühmten Kreidefelsen auftauchen. Impressionen a la Caspar David Friedrich.

Klintholm/Mön ist ein beliebter Durchgangshafen von Deutschland gen Bornholm oder die in die östliche dänische Südsee. Über 200 Gastliegeplätze reichen dann nicht aus. Wir sind zu viert in der Marina.

Die Windentwicklung lässt keine Pausen mehr zu. Geht die Saison zur Neige, muss der Segler die Windchancen konsequent nutzen, will er nicht bei Regen und Gegenwind für Tage eingeweht sein.

Also los. Der letzte große Schlag mit Generalkurs um Westsüdwest. Heute nimmt uns Starkregen wiederholt die Sicht. Zum ersten Mal auf dieser Reise segeln wir in kompletter Schlechtwetterbekleidung. Wie glücklich sind wir über BRIGOs neue, feste Sprayhood. Sie bietet perfekten Wind- und Wetterschutz. Staberhuk, der östlichste Punkt auf Fehmarn ist erst aus gut einer Seemeile zu erkennen. Nun schnell rein in den Burger Binnensee. Segel runter Motor an. Siehe da – wieder Luft in der Dieselleitung. Die beseitigt die neue Bosch Einspritzanlage im Prinzip selbst. Allerdings muss man 3-4 Minuten den Anlasser orgeln lassen. Das geht an die Nerven!!!! Kommt mir wie eine Ewigkeit vor. Dabei würden die Batterien sicher 30 Minuten schaffen. Trotzdem ein Scheißgefühl.

Nun, Ende gut, Anleger gut.

Die Abreise von Fehmarn erfolgt für mich (Hugo) mit einem Zwischenstopp im Krankenhaus von Oldenburg. Vereiterter Blinddarm bricht durch, Höllenschmerzen, Blaulicht, NotOP. Alles gut gegangen, mein Schutzengel war einmal mehr an meiner Seite, mein realer, irdischer aber auch!!!!

Nun sitzen wir zu Hause in Braunschweig, die Narben müssen verheilen und tun das auch fleißig.

Dann erfolgt der allerletzte Schlag dieser Saison in die Marmeladenstadt, in unsere Laubenpipermarina.

 

Wir wünschen allen Seglern, insbesondere den beiden Einhandseglern Claus, the Sailing Bassman, sowie Max, eine gute und sichere Heimkehr und eine tolle Saison 2015 für uns alle!

Die Blinddarmwunden verheilen langsam, nur schwer heben ist noch verboten.

Wir nutzen die ziemlich letzte Gelegenheit, BRIGO von Burg/Fehmarn nach Bad Schwartau ins Winterleger zu überführen. Leider ist der Wind spitzer als angesagt. Und kräftiger. Die kurze Ostseewelle schräg von vorn ist unangenehm und die 20-26 Kn Wind auch. Zur Schonung des Kapitäns läuft die Maschine die ganze Zeit mit. Nicht ganz: sie streikt einmal mehr. Doch nun scheint der Übeltäter nach einigem Fummeln gefunden. Offenbar hat der Diesel-Saugschlauch einen dickeren Plocken Schlamm aus dem Tank angesaugt und damit den Nachschub blockiert. Kräftiges ausblasen beseitigt den Propfen. Tankreinigung kommt mit auf die to-do-Liste.

 

letztes Update :

 

23.10.2018

 

 

Besucheranzahl 

der BRIGO-Seiten :

letzter Standort:

Vilamoura

Portugal

 

 

Loggestand:

 

1.798  Meilen

Druckversion Druckversion | Sitemap
© PC Service Wesche