Brigo
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Belgien – Holland

 

Wir schaffen die Überfahrt über den Ärmelkanal ohne größere  Probleme. Der Kanal ist eine der meist befahrenen Wasserstrassen der Welt. Zur Regulierung des Verkehrs sind vorgeschriebene Fahrstreifen für Dampfer eingerichtet. Dort fahren die Schiffe wie auf der Perlenschnur im Abstand von 2 – 3 Meilen. Sportboote haben dazwischen eigentlich nichts verloren. Nur führt hier kein anderer Weg von England nach Frankreich. Wir schlängeln uns durch.

Unser erster Hafen auf dem alten Kontinent ist Dunkerque.  Gut geschützt liegt der Yachthafen am Stadtrand. Am Rathausplatz verspeisen wir Miesmuscheln zum Abendessen. Ewig nicht gegessen. Dunkerque ist eine gesichtslose Neubaustadt aus den 60er Jahren.

Weiter geht’s nach Blankenberge, Belgien.

Dann an der Rhein- und Maassmündung, Rotterdam, vorbei nach Scheveningen/Den Haag. Die Marina ist über einen sehr schmalen Kanal vom Handelshafen erreichbar. Das weite Becken ist umstanden von Apartmenthäusern a la Hafencity Hamburg und mit edlen Restaurants am Wasser bestückt.

Morten kommt mit der Bahn angereist und begleitet uns für eine Woche. Wir unternehmen eine kurze Erkundung der Haager Innenstadt. Edel, gepflegt, viele Fußgängerzonen, an allen Ecken Restaurants, Cafes, einladend gemütlich.

Von unserer Marina sind nur 8 Minuten Fußweg bis zum südlichen breiten, dünengesäumten Naturstrand zu gehen. Täglich morgens und abends baden wir in der noch 19 Grad warmen Nordsee, laufen am Strand entlang und genießen die spätsommerliche Sonne. Der nördliche Strandabschnitt ist mit Strandbars, Restaurants und dem imposanten Kurhaus reich garniert. Man flaniert und genießt das Leben.

Amsterdam

Wir erreichen die unvergleichliche Stadt über den Nordseekanal und machen im kleinen Sixhafen gegenüber dem Hauptbahnhof fest. Mit der kostenlosen Pendelfähre erreichen wir das pulsierende Stadtzentrum in 10 Minuten. Hier ist einfach der Bär los, jeden Tag sind die Geschäfte geöffnet. Entspannte, fröhliche, tolerante Menschen füllen die Strassen und Plätze. Grachtenrundfahrt, Bummel durch Fußgängerzonen, an den malerischen Grachten entlang, staunen über die so eigene Häuserarchitektur. Amsterdam begeistert uns. Der Wettergott hat in seiner Küche ordentlich umgerührt. Die Prognosen der Wetterfrösche werden immer ungemütlicher. Trotzdem hatten wir bisher großes Glück und nur wenige Regentropfen abbekommen. Der versprochene Regen beschränkte sich auf die Nachtstunden. Wann Rasmus uns die Weiterfahrt ermöglicht, steht noch in den Sternen.

Amsterdam

Als krönenden Abschluss von Mortens Besuch in Holland besichtigen wir die

Amsterdam Arena. Für einen richtigen Fussballfan ist das ungefähr wie

Weihnachten. Ca 1,5 Stunden werden wir durch die imposante, supermoderne Arena geführt, bekommen so Wichtiges wie Presse-, Regie- und Überwachungsraum, Gästekabinen und die der Ajaxspieler zu sehen. Die Arena wird ausserdem für grosse Konzerte und Football genutzt. Zur grossen Enttäuschung erschien die Queen ausser zur Eröffnung nur 3 Mal.

Das stundenlange Laufen durch die Stadt lässt uns allabendlich mit lahmen Beinen wieder in unsere Marina zurückkehren. Die Müdigkeit hält uns jedoch keineswegs davon ab, bis Mitternacht ausgiebig zu kniffeln!

Nach Mortens Abreise erleichtern wir uns die weiten Wege durch Busschiffe. Unser Ziel: Van Gogh- und Reijksmuseum. Vincents Gemälde im Original zu sehen ist ebenso beeindruckend, wie die Nachtwache von Rembrandt oder Vermeers Dienstmagd mit Milchkrug. Immer wieder sind wir betroffen, dass diese weltberühmten Gemälde den Künstlern zu Lebzeiten keinen Ruhm verschafft haben.

Noch einmal lassen wir uns vom quirligen Treiben in der Stadt mitreissen,

geniessen unseren Wein auf dem Dam in der letzten Abendsonne, dann heisst es am nächsten Morgen: Leinen los, auf nach

Enkhuizen am Ijsselmeer.

Schleusen müssen passiert werden, alles ganz entspannt! Das Ijsselmeer empfängt uns Grau in Grau. Lediglich die erdbeerfarbenen Dächer der freundlichen Häuschen bringen etwas Wärme und Farbe. Auf dem Wasser herrscht noch Hochbetrieb! Scheinbar segelt ganz Holland nach

Enkhuizen.

Diese idyllische, kleine Stadt gefällt uns auf Anhieb: entzückende Häuser mit Blumen und Allerlei geschmückt, malerische kleine Strassen, Cafes, einladende Restaurants, dazu Segel- und Plattbodenschiffe ohne Ende. Einfach gemütlich ist es hier! Ein belebtes Museumsdorf!

Beim Schlendern durch den Hafen bzw. Ort entdecken wir vieles, was für uns in Vergessenheit geraten war: Blässhühner, Haubentaucher mit ihren Jungen,

Schwalben, geräucherten Aal, Negerküsse (absolut köstlich!), Spekulatius. Ihr seht, wir sind am Schwelgen! So verbringen wir unsere Tage, bevor Rasmus uns grünes Licht gibt für die Weiterfahrt durch die Nordsee nach Cuxhaven, der Heimat entgegen.....

Schluss

Aufgrund des starken Windes ankern wir im geschützten Ijsselmeer an der

Schleuseneinfahrt zur Nordsee. Am nächsten Morgen siehts friedlicher aus, also wagen wir den Sprung ins Wattenmeer. Prima Segelwind und jede Menge herrlicher Regenbögen beglücken uns auf dem Weg nach Cuxhaven. Es geht an den Westfriesischen Inseln entlang, starker Schiffsverkehr an den Mündungen von Ems und Weser erfordern ein wachsames Auge. Hinzu kommen die vielen Fischer, die allzu gern im Trüben (Licht) fischen. In dieser Nacht gibts wenig Schlaf!

Am 18.9. um 22.05 Uhr passieren wir die holländisch-deutsche Grenze.

Um 9.45 Uhr haben wir Scharhörnriff umrundet und steuern nun über die Elbe

Cuxhaven an. Maximal 4 Knoten mitlaufender Strom verhelfen uns zu einer raschen Ankunft an unserem Ziel. In der Marina des Amerikahafens werden wir sehr freundlich aufgenommen. Sie stellen uns sogar kostenlos Fahrräder zur Verfügung.

Helga und Horst überraschen uns mit ihrem Besuch. Wir verleben unvergessliche,seglerisch geprägte Stunden miteinander an unserem 1. Tag in Deutschland. Herrlich! Am nächsten Tag erkunden wir Cux ausgiebig mit dem lang vermissten Drahtesel, lassen uns bei Ditzer kulinarisch verwöhnen.

Weiter geht die Reise am folgenden Morgen, der Nordostsee-Kanal ist unser Ziel. Viel Betrieb vor der Schleuse Brunsbüttel. Das Schleusen verläuft reibungslos, und schon befinden wir uns mit grossen und kleinen Schiffen auf dieser 100 km langen Wasserstrasse, erbaut 1895-99 unter Kaiser Wilhelm II. Zur Nacht fahren wir in einen Seitenkanal und liegen zusammen mit 6 anderen Booten vor der Einfahrt einer kleinen Schleuse. Ein idyllischer Platz, ruhig,Natur pur, dazu das Muhen von Kühen. Ausgeschlafen gehts am nächsten Morgen weiter, gefrühstückt wird unterwegs, jetzt ist wieder Teewetter! Dazu Vollkornbrot mit Nordseekrabben, holländische Tomaten, Butter aus England, Käse und Wurst von den Azoren. Eine bunte Mischung. Unterwegs wird 'Hausputz' gemacht, Freunde und Familie angerufen. Fast durchgängig Telefonverbindung, dazu Inlandgespräche-alle sind glücklich! Sogar die Sonne lässt sich zwischendurch blicken. Durch die Schleuse Holtenau gehen wir mit 4 anderen Segelbooten, sowie einigen Ruderbooten. Alles klappt prima, dann freuen wir uns nach 2 Tagen im engen Kanal über die Weite der Ostsee und ankern am Ausgang der Kieler Förde.

Ein schneller Ritt über viele schaukelige Wellen bringt uns heute, Montag, nach Fehmarn. Wir sind happy über den w underbaren Segelwind. Schon aus der Ferne begrüsst uns der vertraute Anblick der Fehmarnsund-Brücke. Brigos 19m hoher Mast passt hoffentlich gerade noch drunter durch. Durchfahrtshöhe an der höchsten Stelle beträgt 22m.

Nach einem Ruhetag in Burg segeln wir die letzten 30 Meilen nach Travemünde. Vergeblich halten wir auf dem Meer Ausschau nach Delfinen, die Brigos Bug umspielen, verirrten Walen oder eventuell Schildkröten. Einzig Quallen, wir vermuten Spiegeleiquallen, die ausschauen wie verlorene Eier, begegnen uns öfter als uns lieb ist.

Am Donnerstag, 26.09.2013 nach knapp 14.000 Seemeilen beenden wir unsere Reise. Meiken und Morten erwarten uns winkend am Steg der Nord-Ost-Marina.

Am folgenden Sonntag feiern wir in familiärer Runde unsere gesunde, glückliche Heimkehr.

Hier endet unser Törn-Tagebuch nach gut 2 Jahren voller unvergesslicher Eindrücke und so vielen, lieben neuen Bekanntschaften. Wäre schön, wir könnten wenigstens einige über Zeit und Raum erhalten. Im Winter haben wir hoffentlich genug Muße, unsere Eindrücke noch einmal zu durchleben.

Bleibt ein lieber Gruss an all unsere Leser, 
die gedanklich mit uns gefahren sind, 
mitgeschwitzt und sich mit uns gefreut
haben an der schönen Welt.
 

letztes Update :

 

23.10.2018

 

 

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