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Santiago de Cuba

 

Wir verlassen Cienfuegos mit gutem Mut und der Hoffnung auf Segelwind. Die Hoffnung stirbt in unserem Falle sehr schnell. Schon nach 2 Stunden. Von nun an wird uns nur noch der treue Diesel nach Santiago schieben. Das Windgeschehen folgt in den nächsten 2 Tagen dem Muster - tagsüber auflebend von vorn, nachts Flaute. Da passen wir uns an: nachts fahren, tags ankern im Inselgewirr des „Jardines de la Reina“ genannten Archipels. Die Inselchen sind zumeist mit Mangroven bestanden, selten entsprechen sie unserem karibischen Insel-Klischee von Sandstrand und einer Palme. Leider ist das Wasser nicht klar, der Grund ist zumeist schlammig, modderig, die Wassertiefen sind eher was zum Durchwaten.

Endlich können wir Aussenbordskameraden direkt von den Fischern in ihren kleinen, offenen Kähnen eintauschen. Extra zu diesem Zweck haben wir kleine Rumflaschen, kleine Marlboro-Schachteln, Kugelschreiber und Buntstifte an Bord genommen. Unsere Handelsware kommt gut an. Die erste Fischlieferung müssen wir noch selber killen und ausnehmen. Später sind wir schlauer und überlassen den Fischern dieses.

 

Eigentlich haben wir von Kuba und der sozialistischen Bevormundung die Nase voll. Ständig so ein unterschwelliges Big Brother is watching you Gefühl a la DDR. Leider ist der Weg bis zum Ende des sozialistischen Idylls noch weit, über 400 Meilen bis zum östlichen Ende der Insel. Verbissen fahren wir weiter zum Zwischenziel Santiago de Cuba.

Santiago liegt ideal an einer weitläufigen Bucht mit schmalem Zufahrtskanal zum Meer hin. Auf der Einfahrtshuk thront eine alte spanische Festung zum Schutz von Hafen und Stadt.

 

Die „Marina“ besteht aus einer tristen Betonpier, der Rest ist mehr oder weniger verfallen. Wir ankern davor. Ankergebühr 6 Euro pro Tag. Dieses Mal werden 9 Offiziele zu unserer Begrüssung und Inspektion abgestellt. Fast alle stellen die gleichen Fragen, füllen ähnliche Formulare gewissenhaft aus, nur eben für verschiedene Dienststellen.

Zur Stadt fährt uns ein rotes Gestell. Früher mal ein schon bei seiner Geburt mieser russischer Lada, heute ein klapperndes Etwas. Dafür ist Omar, der Chauffeur, sehr nett. Wir lernen seine Mutter kennen in ihrer winzigen adretten Wohnung im Hinterhof.

Ausserdem erfahren wir, dass der Hurrican „Sandy“ letzten Oktober die ohnehin wackeligen Häuser und Hütten schwer beschädigte, Bäume reihenweise beseitigte, Dächer abdeckte. Wovon und womit reparieren in der sozialistischen Mangelwirtschaft? Improvisieren und Organisieren heissen die Zauberworte, sonst geht man hier unter.

Die Innenstadt Santiagos zeigt das bekannte, zerfallene Bild. Und doch, hier ist es anders. Die Menschen sind fröhlicher, das kubanische Feeling, wie wir uns das so vorstellten, ist zu spüren. In einfacher, dafür umso stimmungsvollerer Umgebung oder direkt auf Strasse oder Platz wird Musik gemacht. Salsa. Dazu tanzen Jung und Alt mit dem unnachahmlichen Hüftschwung und der Musik im Blut. Fussgängerzonen mit vielen Einheimischen, man sitzt und erzählt, spielt Brettspiele oder zupft auf der Gitarre. Und Kunst und Kitsch gibt’s auch. Prachtvolle Fassaden ehemaliger Hotels, Banken, Bürgerhäuser zeugen von einer unglaublich eleganten Vergangenheit. Heute sind die Fensterhöhlen zumeist leer oder vernagelt.

Dabei sollten wir nicht vergessen, wie die Bevölkerung für diese Pracht leiden musste und auf den Zuckerpantagen wie das Rohr ausgequetscht wurde.

Wir lernen Pedro kennen und seine Frau Rosamaria. Wir wollten zu Abend essen an der Marina. Alles zu. Ein Neffe schleppt uns zu den Beiden. In einer wackeligen, kleinen Behausung werden wir in die Wohnküche geführt. Rum und Kakerlaken, das ist normal hier. Mama kocht gut nach Hausfrauenart. Viel Salat, Gurken, Tomaten, Zwiebeln, Kochbananen um ein undefinierbares Stück „Leberkäs“ herum. Es schmeckt uns.

Ob wir nicht einige Dinge an Bord übrig hätten… Wir schnüren ein Carepaket und schmuggeln es vor den Blicken der Nachbarn anderntags ins Haus. Pedro und Rosamaria kriegen sich fast nicht mehr ein. Heiss begehrt sind Kugelschreiber, Seifen, Nivea, ein USB stick. Mein altes Handy kriegen die sicher wieder zum Laufen, zwei Kleider, Shirts, eine alte Handtasche wechseln ebenfalls den Besitzer.

In Pedros guter Stube, also auf engstem Raum, trifft die bunte Segerwelt zusammen: Schottland, Malaysia, Belgien, Australien sind vertreten.

Jeden Abend wird auf der Festung Castillo Morro zum Sonnenuntergang eine Flaggenparade abgehalten. Dunkelhäutige Soldaten in historischer,weisser Uniformierung holen die Kubaflagge ein, eine alte Kanone wird zeremoniell mit Schwarzpulver geladen und mit lautem Wumm abgefeuert. Ein tolles Bild!!!!

Letztlich hat uns Santiago noch ein wenig mit Kuba versöhnt

 

Im Moment sind wir in den USA, genauer in Guantanamo, nein knapp daneben! Wir schrappen an der Hoheitsgrenze des Pachtgeländes sowie des kapitalistischen Stachels im Kubafleisch, entlang und wissen genau: Big Brother… but this is a free country….

Stimmt, wir schnippeln ein wenig die Hoheitsecke. Schon kommt ein Coastguardboot angerast und macht uns freundlich bestimmt darauf aufmerksam. „you are too close!“ Sie bedanken sich aber artig für unsere Kursänderung.

 

Wir freuen uns auf unser nächstes Ziel, Turks and Caicos Islands, der süd-östliche Anschluss an die Bahamas. Da geht.s wieder britisch-korrekt, dekadent, kapitalistisch, zivilisiert zu und wir werden endlich wieder frei atmen können.

Noch 200 Meilen!

 

 

letztes Update :

 

23.10.2018

 

 

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