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Kuba

 

Aus dem real existierenden Sozialismus mangelhafte Grüsse in die kapitalistisch-reaktionäre Welt.

Internet ist nur was für die Revanchisten und die westliche Propaganda. So was wollen wir hier nicht....

Tja, so was gibt.s tatsächlich selbst heute noch!!!

 

Von sämtlichen Antilleninseln, die wir bisher besuchten, ist Kuba diejenige, die am weitesten von der übrigen Welt entfernt ist.

Ein Land praktisch ohne internet, das am Tropf Chinas und Venezuelas hängt und dessen grösster Handelspartner - man staune, trotz Embargos - die USA sind. Ein Land, das seinen Schlängelpfad zwischen Sozialismus und Tourismus sucht. Nach dem Tode seines letzten grossen Gönners, Hugo Chavez, treibt Kuba einer ungewissen Zukunft entgegen.

 

Unser erster Berührungspunkt mit Kuba heisst Cayo Largo, einer der Tourismusmagnete und Devisenbringer an der Südküste. Immerhin 8 Amtspersonen und ein Drogenschnuffelhund sind zu unserer Begrüssung aufgeboten. Die Prozedur dauert gut 2 Stunden, kostet 100 Euro "Eintritts"gebühr und erschöpft uns sehr.

Schlechtes Wetter und Starkwind werden angekündigt. Die winzige Marina füllt sich schnell und ist fest in deutschsprachiger Hand. Man trifft sich zum Sundowner in der Hafenbar auf ein Bier für 80 Cent und kleine Pizzen für 1,60 - 2,00 Euro. Bei den Preisen ist happy hour den ganzen Tag und die Bordküche bleibt kalt. Schnell bildet sich wieder eine illustre Clique mit der wir später ausgedehnte sundownerparties mit Lagerfeuerromantik am Strand feiern.

Apropos Strand: die Strände von Cayo Largo mit ihrem Puderzuckersand und das klare, türkiesene Wasser trösten über die planwirtschaftliche Leere in den Geschäften, insbesondere hier, hinweg.

Dann trennen sich die Wege der Seglergemeinschaft wieder einmal. Sylvia und Thomas segeln nach Jamaica, Ima und Hans nach Mexico, Anett und Jaques nach Guatemala. Christel und Frank treffen wir in

Cienfuegos,

unserem nächsten Ziel, wieder. Iris und Hauke kennen wir schon von Cayman.

Cienfuegos ist eine mittelgrosse Stadt. Sie hat passabel renovierte Herrenhäuser und Palazzi vorzuweisen; zumeist regiert aber sozialistischer Verfall ( noch viel schlimmer wird Havanna werden ).

Im Lande gibt es eine Zwei-Klassen-Gesellschaft markiert durch die CUC genannte, zum Dollar pari bewertete, Devisenwährung. Ausländer dürfen nur in CUC tauschen und bezahlen, Kubaner ist der Besitz nicht verboten. CUC sind beliebt, kann man dafür recht viel kaufen. Für Pesos gibts nur Grundnahrungsmittel zum umgerechneten Pfennig-Preis.

Auf den mehrspurigen, grosszügigen Strassen bestimmen nicht Privat PKW sondern Pferdefuhrwerke, Fahrradrikschas, stinkende, klapprige Busse, russische und DDR Motorradgespanne, Lada und Mosquitsch sowie die berühmten AmiSchlitten der 50er Jahre das Bild.

 

Wir unternehmen einen 3-tägigen Landausflug nach

 

Havanna

 

Für 80 Euro übernimmt ein Mietwagenfahrer unseren Hin und Rücktransport, je ca 270 KM. Auf der 6 bis 8 spurigen Autobahn herrscht gähnende Leere. Fussgänger, Radfahrer, Fuhrwerke, Trecker, klapprige LKW. "LPGs" und "VEB Rinderzucht" bestimmen vielfach das Bild neben der Piste. Die Wälder mussten schon vor 100 Jahren dem Zuckerrohranbau weichen.

Unser erster Eindruck von Havanna ist ein grosser Schock: unbeschreiblicher Verfall soweit das Auge reicht, grau in grau mit wenigen alten Farbresten. Die ehemals enorme Pracht ist nur noch zu erahnen. 1982 wurde Havanna zum Weltkuturerbe erhoben. Seitdem greift ein Renovierungsprogramm der Regierung in La Habana vieja, Alt Havanna. Eine enorme Kraftanstrengung für das arme Land; ein Ende ist noch lange, lange nicht in Sicht.

Allseits beliebt, so auch bei uns, sind die zahlreichen casas particulares genannten Privatunterkünfte. Sie sind staatlich lizensiert und bieten einen Mindeststandart mit Famiienanschluss. Unsere Signora Martha verwöhnt uns allmorgentlich mit frischem Guavensaft, einem Obstberg aus Ananas, Banane, Guave, Papaya, Tortillas aus Ei, Schinken, Käse und Zwiebeln. Genau so köstlich schmeckt der kubanische Kaffee. Dank unserer "umfangreichen" Spanischkenntnisse funktioniert die Unterhaltung mit Martha perfekt. Immerhin verstehen wir die Botschaft vom neu gewählten Papst.

Per pedes, mit Fahrradrikscha oder coco genannten Vespataxis arbeiten wir uns durch La Habana Vieja. Die wenigen, touristisch interessanten Strassenzüge offerieren wieder die alte, koloniale Pracht der spanischen Herrenhäuser und der noblen Innenhöfe. Doch gleich nebenan hausen die Menschen unter erbärmlichsten Verhältnissen in Löchern, Verschlägen und halb bis ganz verfallenen Häusern. Durch Fenster und Haustüren versuchen die Menschen mit Allem und Jedem zu handeln, um ein paar Pesos einzunehmen. Die Atmosphäre in diesen armseligen Strassenzügen empfinden wir als sehr bedrückend. Die Menschen sind erstaunlicherweise recht fröhlich und freundlich. Wir haben uns nie unsicher gefühlt. Die Strassen und Fusswege erfordern die gesamte Aufmerksamkeit des Passanten, sonst ist man flugs über einen Schuttberg gestolpert oder in einem Loch verschwunden. Aber die Gossen sind sauber gefegt; nur die Schuttberge warten geduldig auf ihre Abfuhr.

In vielen Strassenzügen sind Grundschuen in Erdgeschosswohnungen eingerichtet. So haben die Kinder ihre Lehranstalt gleich nebenan. Durch die geöffneten Fenster sehen wir die Kleinen in ihren Schuuniformen. Sport findet täglich auf der Strasse statt. Dazu sperrt man diese einfach mit einem Seil ab.

Eine Besonderheit Kubas, insbesondere Havannas, sind die aus vorrevolutionärer Zeit übrig gebliebenen amerikanischen Strassenkreuzer in den Farben der 50er Jahre. Mit viel Improvisation werden sie am Laufen gehalten. Unsere Kameras glühen jedenfalls.

Vorsicht vor den allgegenwärtigen Werbern: der Ruf " Taxi, Taxi " aus Fahrradrikschen, Cocos, Amischlitten ertönt überall, kubanische Zigarren werden zum Discountpreis angeboten, Restaurants und Bars buhlen um devisenschwere Kundschaft, Kunst und Kitsch warten auf Käufer. Inmitten der Stadt liegt der grosse "cimientario Colon". Aus Carraramarmor liessen sich die Granden der Stadt imposante Grabstellen errichten. Beisetzungen finden noch heute dort statt. Die Trauergesellschaft kommt im uralten Bus, mit Motorräder oder Autos direkt auf den Friedhof.

Havanna muss man schon einmal gesehen haben, das eine Mal reicht dann für eine Weile.

In Anbetracht der geschichtlichen Entwicklung Kubas ist die hiesige Skepsis gegen die westlichen, insbesondere US-Amerikanischen Segnungen nur zu verständlich. Der Spagat zwischen Devisennot, Wunsch nach besseren Lebensumständen und Abschottung zum Kapitalismus wird sicher noch spannend.

 

Wie schon erwähnt, hier gibt.s praktisch kein internet.

Bilder können wir erst wieder von unserem nächsten Etappenziel, den Turks and Caicos Inseln verschicken.

 

 

Fortsetzung auf März 2

Text und Bilder sind zu umfangreich geworden um noch übersichtlich zu sein.

letztes Update :

 

23.10.2018

 

 

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