Brigo
Brigo

Freitag, 25.1.2013

 

Obwohl Segler nie an einem Freitag zu einer größeren Reise aufbrechen, segeln wir doch am Freitag los. Sind nur 260 Meilen, also eher kurz, kein Problem.

Der Abschied fällt uns wie immer schwer, gern hätten wir noch 1 – 2 Tage angehängt in Shelter Bay, doch der Wetterbericht verheißt passable Bedingungen. Also los!

Der Wind kommt spitz von vorn, die See gischtet übers Schiff, und in kürzester Zeit ist BRIGO eingepökelt.

Nach 54 Stunden ist Providencia, erreicht, und der Anker fällt in nur 2,5 Meter flaches grünes Wasser einer weiten Bucht, umgeben von sattgrünen Hügeln, Bäumen, Sträuchern, Palmen.

Mr. Bush ist hier der Hüter über die Segler. Er ist der „Agent“, ohne den nichts geht. Er besorgt die Einklarierung. Die Behörden möchten vom Fußvolk nicht direkt belästigt werden. Der Agent ist natürlich bestens informiert und gibt uns nützliche Tipps. Entgegen den landläufigen Behauptungen, mündlich und in den einschlägigen Segelhandbüchern, ist die Insel ganz gut ausgerüstet: mit Supermärkten, den beliebten „ferreterias“ ( sozusagen der Baumarkt in klein) und mit urigen Bodegas, oft direkt am Strand. Mit den bescheidenen Möglichkeiten einer 5000 Einwohner-Insel, fern der Touristenströme und fern des Mutterlandes Kolumbien, hat man hier buntes Flair an Uferpromenaden geschaffen, karibisch bunte Sitzbänke und Geländer. Auffällig viele liebe- und phantasievoll angelegte Kinderspielplätze. Bunte Fußwegplatten mit dem ABC, mit Zahlen und mit Meerestiersymbolen darauf führen zum Kindergarten. Bei Schulschluss stehen Mama oder Papa vor dem Tor mit dem Motorroller bereit, die lieben Kleinen abzuholen. Kein Problem: locker passen, ausser dem Fahrer, noch 3 Kinderlein nebst Schulranzen auf so ein Gefährt. Ein, zwei Kasten Bier oder Cola, eine große Fensterscheibe, 2 dicke Gasflaschen; für ein Zweirad ist nichts zu schwer. Die ausladenden Hinterteile der einheimischen Damen machen sich auf den schmalen Sitzbänken der Roller hinreissend.

Auch wir chartern für 2 Tage so ein Gefährt. Es macht einfach Spass, bei schönem, warmem Wetter die knapp 20 KM lange Rundstrasse Providencias entlang zu zockeln. Stichstrassen führen zu Stränden, an denen sich unweigerlich einfache, luftige Bodegas finden. Die Süd-West-Bay ist der „Geheimtip“. Selbst der kolumbianische Staatschef soll gelegentlich hierher kommen, um eine „mixed plate“ zu verspeisen. Sie schmeckt wirklich gut, ist fast zu reichhaltig, dem gegrillten Fisch pulen wir nur die besten Stücke ab. Leider vebietet sich der kühle Weisswein in der Tageshitze und beim Rollern. Bei anderer Gelegenheit sitzt wieder einmal ein bunter, internationaler Haufen beim Fisch: ein Paar aus Holland, eines aus Argentinien ( keine Segler ), ein deutsch-peruanisches Paar und eben wir. Jugendliche musizieren mit viel Spass und Phantasie. Ein Besenstil-Bass und ein Pferdeunterkiefer nebst einem Jungen, der hingebungsvoll die Rumbarasseln bedient, bilden die rhythm-group. Mandoline und Gitarre sorgen für die Melodie. Sie alle lernen in einer bunt bemalten Musikschule ihr Handwerkszeug.

Mit Israel wandern, nein schwitzen, wir uns auf den Peak, der mit 360 Metern höchsten Vulkanerhebung der Insel. Die strotzend grüne Natur ist Nationalpark. Die Fauna wird als „Trockenwald“ bezeichnet. Die Natur ist auf das Wechselspiel aus kräftigen Regenfällen und brütender Trockenheit spezialisiert. Israel erklärt uns, was da so wächst und kreucht, Zeigt uns u.a. blaue Lizards ( Eidechsen ). Nach dem Abstieg stellt uns Israel stolz seine Frau, zwei süsse Töchter vor. Mit dem Besitz einer prachtvollen Sau, fünf rosigen Ferkeln sowie einem stattlichen Eber hat er es bereits zu einem bescheidenen Wohlstand gebracht.

Über eine, lovers lane genannte Pontonbrücke gelangen wir zur kleinen Schwesterinsel Santa Catalina. Da ehemaliges Piratennest, muss der alte Captain Morgan noch heute herhalten mit illustren Aussichtsplätzen wie Morgan`s Treasury, Morgan`s Cave, Morgan`s Head usw. Ein romantischer Wanderpfad. Bei Morgan`s Head lässt es sich vortrefflich schnorcheln, ebenfalls bei Crab Island, wo uns gleich beim Abtauchen vom Dinghy ein grosser Rochen nebst einem „Pilotfisch“ empfängt. Die Korallenlandschaft ist hier wieder anders, mit bisher ungesehenen Spezies.

Der Wetterbericht bestimmt wieder einmal unsere Abfahrt. Es muss ja sein. Diesmal sind 350 Meilen bis Cayman Island, genauer Grand Cayman, zu segeln. Tolles Segeln am ersten Tag, dann flaut der Wind ab, der Dieselwind muss helfen. Immerhin besser, als auf dieser Strecke gegen starken Wind und Seegang ankämpfen zu müssen, was meist der Fall ist. Ausserdem haben wir ausgiebig Gelegenheit, die Strom- und Trinkwasservorräte durch den Motorlauf aufzufüllen.

Jetzt, am Freitag, 8.2. 2013 um 12.00 Uhr, haben wir noch 78 Meilen bis Cayman zu bewältigen. Die Insel ist ein beliebtes Kreuzfahrerziel und gilt als hervorragendes Tauch- und Schnorchelrevier.

Wir sind gespannt!

21: 30 Uhr: noch 35 Meilen, voraus am Horizont ist ein diffuser Lichtschein – Georgetown, Cayman Island. Unter uns leuchtet die Gischt des 5000 Meter tiefen Meeres, über uns der klare Sternenhimmel, später, hinter uns noch einmal das Kreuz des Südens.

 

 

 

Grand Cayman, Cayman Islands,

 

Auf Cayman gibt es viel zu erleben:

Die mit Abstand reichste Karibikinsel ist ein Paradies für Finanzjongleure, Briefkastenfirmen und Steuersparer. Eine karibisch-englisch-amerikanische Mischung.

Und wer kann von sich behaupten, in einem Schwarm Southern Sting Rays ( Rochen ) gestanden zu haben, vom Delphin heftig in die Rippe gestuckst worden zu sein und einen treuen Delphin als Bootsbegleiter zu haben, über 360 Green Sea Turtles ( grosse Meeresschildkröten ) gesehen, mit einem Hammerhai in Schwärmen bunter Korallenfische geschnorchelt, blauen Land-Iguanas ( Leguane ) ins kalte Auge geschaut, die bestsortiertesten Supermärkte mit Superqualität zu superteuren Preisen besucht und neben bis zu sechs Kreuzfahrtschiffen a 3.500 - 4.000 dicklaibigen, schneeweissen und bewegungsarmen, zumeist amerikanischen Passagieren geankert zu haben, den allerneuesten Duft von Daisy-Marc Jacobs geschnuffelt, schliesslich auch noch auf der falschen – linken – Seite Auto gefahren zu sein?

 

Cayman ist keine Insel für arme Leute. Hotels in der Ritz Carlton Liga am phantastischen, weissen 7 Miles Beach. Am North Sound, einer etwa 5 x 7 Meilen grossen Lagune werden allüberall Kanäle in die flache Caymaninsel gebuddelt, um Grundstücke mit eigenem Wasser-Liegeplatz zu schaffen. Ein bisschen a la Holland. Die Kaufpreise für Häuschen mit Grundstück beginnen so bei 2,5 Mio US + 10% weitere Kosten.

 

Wir erarbeiten uns die Insel von George Town, der Hauptstadt, aus. Englisch-freundlich und korrekt empfängt uns bei nächtlicher Ankunft per Funk die Hafensecurity und lotst uns zu einer Festmacheboje.

Ebenso verläuft das Einklarieren am folgenden Morgen.

Georgetown besteht aus unmengen von noblen Duty Free Geschäften für Schmuck, Uhren, Parfüm und Banken, äusserlich eher bescheiden.

Wir leihen ein Auto und kurven zum sehenswerten botanischen Garten, bestaunen prächtige Villen über den Stränden, besuchen die Cayman Turtle Farm. Die Panzertiere werden zur Arterhaltung, aber auch zum Verzehr gezüchtet. Zum Wochenende ist stürmischer Nordwind angekündigt. Wir müssen unseren ungeschützten Bojenplatz vor Georgetown verlassen. Um die halbe Insel herum fahrer wir in den North Sound, eine weite, flache Lagune, die durch ein Korallenriff vor den Wellen des freien Meeres geschützt wird. Leider erweist sich unser Ankerplatz als schlecht gewählt. Der Grund ist weich, der Anker gibt im Sturm nach, und ehe wir uns versehen, setzt Brigo schon auf einer Sandbank auf. Mit viel Mühe und Glück, mit heftig aufgewirbeltem Schraubenwasser und unter Opfern unseres Zweitankers kommen wir wieder frei. Das Ganze natürlich des Nachts. Nach 2 Tagen ist der Spuk vorbei. Wir entdecken eine Lagune in der Lagune. Schmale Zufahrt in ein Gewässer, welches von Mangrovenbüschen einerseits und Villen an diversen Seitenarmen andererseits gesäumt ist. DAS wäre der ideale Sturmplatz gewesen. Jetzt küren wir ihn zum Ausgangspunkt für unsere Schnorchelausflüge zum Riff und zur Sting Ray City. Im glasklaren, flachen Wasser stehen wir auf einer Sandbank inmitten von ganzen Rochenschwärmen. Ein bestimmt 2 Meter langer Delphin gesellt sich dazu, will spielen und stupst Bille heftig in die Rippen. Eine schmerzhafte Prellung bleibt als Andenken. Die Postkartenfotos von Sting Ray City hielten wir für freundliche Übertreibungen. Doch die etwa 3 Meter tiefe Schnorchlerwelt erleben wir genau wie auf den Fotos, einfach phantastisch. Fotogen drapieren sich die bunten Fische um die Korallenköpfe, Rochen schweben in eleganter Bewegung über den Grund, ein grosser Hammerhai schaut uns gelangweilt beim Schnorcheln zu.

In früheren Zeiten nahmen die Fischer im Schutze des Riffes hier ihren Fang aus und lockten damit Rochen und Fische. Heutzutage füttert man die Aussenbordskameraden seitens der zahlreichen Ausflugsbootkapitäne an.

Brigo hat einen Verehrer bekommen. Ein Delphin hat sich vielleicht verliebt. Jedenfalls begleitet er uns des Öfteren auf den Fahrten durch den North Sound, schubbert sich an der Ankerkette oder am Rumpf. Streicheln lässt er sich leider nicht.

Die Inselverwaltung ist wohlweislich streng auf den Schutz der Gewässer bedacht.

 

Bei der Bilderauswertung stellt sich nun heraus, unser Begleitdelphin und derjenige, welcher Sybille so „freundschaftlich“, schmerzhaft in die Rippe stupste, ist ein und dasselbe Tier.

 

Als nächstes Ziel steht Kuba auf dem Törnplan. Dort soll die Versorgung mau sein. Mangels Devisen, aus sozialistischer Planwirtschaft und dank des weiterhin bestehenden US Handelsembargos.

So füllen wir Brigos ohnehin gut sortierte Stauräume bis in die letzten kleinen Ecken auf. Erstklassige Qualität zu „erstklassigen“ Preisen bieten die amerikanisch anmutenden Supermärkte. U.A. kaufen und verspeisen wir 3 Finger hohe, butterzarte Steaks, dazu Pilzragout. Bessere Staeks kaum haben wir kaum jemals gegessen.

 

 

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23.10.2018

 

 

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